SAVAGE IN LIMBO im Münchner Teamtheater
Trailer from Jack Crombie (siehe Podcast #4)
Im Münchner Teamtheater hatte gestern Savage in Limbo von John Patrick Shanley Premiere.
Das Stück wurde von Impact unter der Regie von Heiner Mohnen produziert und im englischen Original aufgeführt.
Doch was ist Savage in Limbo?
“Nighthawks” von Edward Hopper trifft auf Sartres “Geschlossene Gesellschaft” trifft auf Edward Albees “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?”.
So lässt sich das Stück am besten beschreiben.
In der Kneipe von Murk (Nick Connell) treffen einsame Gestalten aufeinander. Savage (Hannah Hall) kaschiert mit ihrem forschen Auftreten die Tatsache, dass sie noch Jungfrau ist. Linda (Tuija Rytkönen) wurde von ihrem Langzeit-Lover Tony (Ben Blaskovic, siehe Podcast #3) verlassen, da dieser herausgefunden hat, dass er lieber mit hässlichen Frauen schläft, da sie ihm mehr entgegenbringen als seine hübsche On-and-Off-Beziehung mit Linda.
Am Rand sitzt die entrückte April (Aneila Hogan), die ihre Mutter verloren hat und eigentlich Nonne werden wollte.
Jede dieser Gestalten ist auf der Suche. Auf der Suche nach Veränderung. Sehnsucht liegt in ihrem Blick, in ihren Worten.
“Fuck!” wird oft geschrien, gefleht. Sie zerfleischen sich, sie freunden sich an, sie schmieden Zukunftspläne.
“Was wäre wenn…” wird bis zum Exzess durchgespielt. Wer heiratet wen und wieso.
Murk, Tony, April, Linda und Savage sind verzweifelt und allein.
Während sich Linda nach dem Geliebt-sein sehnt und von ihren vaterlosen (?) Kindern erzählt, brüllt Tony aus sich heraus, dass er sich verändern muss, um zu überleben. April bekommt Besuch vom Weihnachtsmann (“She`s gone Christmas!”) und nimmt für einen weiteren Cocktail den Heiratsantrag ihres Bartenders an, der für sich selbst strikte Regeln aufgestellt hat (“Your Drink`s empty, what do ya drink?”), um die die bloße Existenz zu ertragen.
Savage schließt Freundschaften, stellt Tony ihren Körper zur Verfügung und bleibt am Ende allein, in ihrer persönlichen Vorhölle, aus der sie nicht entkommen wird.
Das Fazit: Jeder ist sich selbst am nächsten. Jeder ist allein.
Savage in limbo – Savage in der Schwebe – Savage in der Vorhölle – Das Wilde, Animalische in der Schwebe, in der Vorhölle. Sie kämpfen, sie lieben, sie diskutieren und kommen auf keinen Nenner. Denn im Grunde ihres Herzens wissen sie, was ihnen fehlt. Sie sind alle auf ihre Art und Weise Jungfräulich. Wie Savage.
Das durchweg junge Ensemble spielt mit einer Leidenschaft, die ich so selten auf der Bühne gesehen habe. Absolut glaubhaft in ihren Worten, mit vollem Körpereinsatz meistern sie die nicht unbedingt leichten Textmassen von Shanley.
Im stimmungsvollen Bühnenbild von Sonja Knölke, das definitiv an Hoppers oben gezeigtes Bild erinnert gibt den perfekten Rahmen für diesen Seelenkampf. Auch das Makeup (Mona Schönleben) trägt zur richtigen Stimmung bei, wirken diese Geschöpfe doch teilweise wie einem Kabinett des Doktor Caligari entsprungen (besonders hervorzuheben hier bei Aneila Hogan als April, deren unglaubliche Ausstrahlung und Körpersprache vom Makeup noch unterstrichen wird).
Was diese jungen Leute hier auf die Beine gestellt haben ist absolut sehenswert, v.a. wenn man bedenkt, dass sie keine ausgebildeten Schauspieler sind, sondern sich ihr Handwerk auf der Bühne und im Film erarbeitet haben. Hier können sich viele Kollegen eine dicke Scheibe abschneiden!
Eine einzige kleine Kritik habe ich dennoch anzumerken:
Klar, das Stück spielt in Amerika. Aber man hätte die ”typisch amerikanische” Oberflächlichkeit ein wenig reduzieren können. Die Darsteller und ihre Figuren sind so stark, dass es ab und an etwas plakativ wirkt, wenn die Frauen aufeinander losgehen und in ihren Pumps mit ausladendem Hüftschwung stolzieren.
Wie sagt, das nur am Rande. Es mindert den Abend nicht im Geringsten.
Es wird noch gespielt am 1., 2. und 3. Juli, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse oder über die Homepage des Theaters.
Den Namen Impact sollte man sich auf alle Fälle merken.






Vielen Dank an alle, die uns unterstützt und gesehen haben! Heute (Samstag 3.7.) wird die letzte Aufführung von Savage in Limbo stattfinden. Wer es also noch nicht gesehen hat, schnell Karten reservieren unter http://www.teamtheater.de.
Euer Ben
[...] Here is what one critic had to say about our opening night (in German): http://web112.sv04.net-housting.de/nh_support_wordpress/2010/07/savage-in-limbo-im-munchner-teamthea... [...]
[...] Die jüngste Produktion der Company war “Savage in Limbo” im Münchner Teamtheater (hier mein Review). [...]